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Übergewicht und Fettleibigkeit nehmen immer mehr zu und bilden ein gesellschaftliches Problem, dem wir alle Tag für Tag im eigenen Umfeld begegnen...

Für die Ärzte unseres NETZWERK’s ist es wichtig, die Ursachen für diese Entwicklung zu kennen. Übergewicht, Fettleibigkeit ist ein Phänomen, das uns in den letzten Jahren zunehmend stärker beschäftigt. Wenn wir Übergewicht nicht als ein Multisymptomphänomen betrachten, werden Therapieangebote nur bedingte Erfolge verzeichnen.

Es lohnt also, mehr über die Symptomzusammenhänge dieses Phänomens zu lernen, von denen wir hier einige aufzählen möchten: Falsche Ernährung hat immer eine psychosomatische Komponente, die sich in Suchtverhalten ausdrückt. Sinnliche Bedürfnisse werden durch orale Bedürfnisse ersetzt oder auf diese reduziert und beeinflussen sogar den gesamten Stoffwechsel. Die fortschreitende Vergrößerung des Problems Übergewicht ist ganz allgemein ausgedrückt in den sich verändernden Lebensbedingungen der Menschen zu suchen.

Dabei kann nicht eine Ursache isoliert als Hauptgrund dieser Veränderungen definiert werden, vielmehr geht es um ein Zusammenspiel vieler Faktoren in einer sich dynamisch entwickelnden Situation: Höhere Flexibilität führt zu veränderten Essgewohnheiten, sich verändernde Familienstrukturen erzeugen eine Veränderung der Nahrungsaufnahme, erhöhte Medienangebote sind verantwortlich für Bewegungsarmut, Umstellungen in der Arbeitswelt weg von schwerer körperlicher Arbeit führen zu verringertem Kalorienverbrauch. All diese Ursachen verbunden mit starker Verunsicherung wegen der erhöhten Dynamik unserer Gesellschaften und Stress als Symptom des Umgangs damit verändern das Verhältnis zum eigenen Körper und der eigenen Ernährung. Das gute Aussehen wird zunehmend wichtiger und mutiert zu einem Indikator für Erfolg und Karriere losgelöst vom eigenen Empfinden.

Auch die genetisch bedingte Form von Fettleibigkeit kann nicht losgelöst betrachtet werden, handelt es sich hierbei doch nur um eine von Generation zu Generation vererbte Form eines Netzwerkes, dessen Ursachen gleichwohl auch sozial bedingt sein können, denn auch soziale Probleme können sich vererben.

Wir haben es bei diesen Zusammenhängen also bereits mit psychischen Mechanismen der Ableitung und sogar sozialen Problemen zu tun. Die zunehmende Individualisierung in unserer Warengesellschaft schafft die Illusion der Unabhängigkeit. Der sinnliche zwischenmenschliche Kontakt, eine phylogenetische (stammesgeschichtliche) Voraussetzung für die Entwicklung der Menschheit, kann nicht mehr selbstverständlich befriedigt werden. Also greift das Individuum zu sinnlicher Ersatzbefriedigung.

Früher, als es das Übergewichtsproblem nur vereinzelt gab, hat man sich gegenseitig gebraucht, heute benutzt man sich dagegen. Dieser Zusammenhang sollte jedem behandelnden Mediziner klar sein und innerhalb unsres Netzwerks legen wir gemeinsam großen Wert auf diesen Bewußtseinsprozeß. In der Psychotherapie hat sich längst die Erkenntnis breit gemacht, daß es keinen Sinn macht, den Einzelnen nur für sich allein zu behandeln, sondern daß das Umfeld eine große Rolle spielt, wenn Veränderungen langfristig wirken sollen. Netzwerkarbeit bedeutet hier das Denken und Handeln in Zusammenhängen.

Übergewicht ist also ein Phänomen, das sich über viele ineinander verwobene Netzwerkebenen erstreckt und deshalb auch nur unter diesem Gesichtspunkt adäquat behandelt werden kann – soziale Netzwerke, ökonomische Netzwerke, familiäre Netzwerke, psychosomatische Netzwerke, körperinterne Netzwerke und medizinische Netzwerke.

 



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